Große Enttäuschung am Morgen des 4.4.: Nach starken Regenfällen in der vergangenen Nacht ist unsere Kamera seit 9:10 Uhr nicht mehr übers Internet erreichbar. Ziehen und Wiedereinstecken der Stromversorgung der Geräte auf dem Kirchturm (die Steckdose ist auf der zweiten Plattform) blieb erfolglos. Also ganz hoch in den Glockenstuhl, nur um festzustellen, dass der Netzwerkport am Router, in dem die Kamera steckt, nicht leuchtet. Die Kamera selbst ist leider nicht zugänglich, während die Störche auf dem Dach sind, weil ein dort plötzlich auftauchender Mensch sie mit Sicherheit vertreiben würde. Der Storchenvater berichtet, dass schon eine nachträgliche Veränderung des Kameramastes an einem anderen Nest die Störche in helle Aufruhr versetzt hat. Wir könnten frühestens aufs Dach, wenn die Jungen ausgebrütet sind. In Betracht kommen also außer der Kamera selbst nur die zugänglichen Komponenten: Router, Stromversorgung und Netzwerkkabel.
Das Netzwerkkabel war beim Verlegen direkt unter den Dachziegeln (durch den Glockenstuhl nach oben klettern) in enger Schleife festgezogen worden, so dass die Ummantelung stark gedehnt war. Liegt hier ein Kabelbruch vor? Am folgenden Tag also das Netzwerkkabel im unversehrten Bereich abgetrennt und eine Netzwerkdose montiert, von dort ein neues Kabel zum Router gezogen, aber keine Besserung.
Vielleicht die Stromversorgung? Von den 8 Adern des Netzwerkkabels werden nur 4 für Daten benutzt. Um nur ein Kabel zur Kamera führen zu müssen, hatte ich auf den übrigen 4 die Stromversorgung der Kamera eingespeist. Der Standard dafür – IEEE 802.3af – sieht ein kompliziertes Verfahren vor, mit dem die Kamera dem Netzteil signalisiert, dass und wie viel Spannung und welchen Strom sie auf welchen Adern entgegennehmen möchte. Hier sind mehrere Widerstände und Kondensatoren beteiligt, die möglicherweise durch Witterungseinflüsse ihre Leistungsdaten verändert haben könnten. Der Strom-Einspeiser im Glockenstuhl blinkt rhythmisch, als versuche er, die Kamera zu starten. Also flugs ein Ersatzteil bestellt. Doch auch dieser Einspeiser blinkt wie der erste, und die Kamera rührt sich nicht.
Auf der Jahreshauptversammlung am 7.4. also schöne Archivbilder und großzügige Spenden der anwesenden Bürgervereinsmitglieder – herzlichen Dank! –, aber leider kein Livebild unseres Storchenpaares.
Auf dem Dach ist von früher noch eine weitere, analoge, Kamera installiert, die mit ihrem langen, federnden Mast von den Störchen gern als Wippe und Starthilfe benutzt wird. Können wir vielleicht das Signal dieser Kamera mit einem Laptop digitalisieren und ins Internet senden? Suboptimal zwar, denn die Bildqualität der Kamera ist nicht berauschend. Zudem keine Nachtsicht, geringe Auflösung, teurer Laptop der Witterung ausgesetzt auf dem Kirchturm, der starke Analogsender der Kamera würde das WLAN-Signal stören, aber als Notlösung in Betracht gezogen. Mit dem Storchenvater Hagen Späth, dem die Kamera gehört, einen gemeinsamen Aufstieg verabredet.
Abends dann schreibt unsere neue Kamera für einige Minuten wieder Archivbilder auf den Server. Neue Hoffnung! Leider danach kein weiteres Lebenszeichen mehr.
Am Wochende nach intensiver Recherche ein kühner Plan: Unter Verzicht auf die Aushandlungsprozedur einfach die von der Kamera theoretisch verlangten 48 V permanent ins Netzwerkkabel einspeisen und hoffen, dass dadurch die Kamera nicht durchbrennt. Ein entsprechendes Schaltnetzteil vorbereitet, erneuter Aufstieg, die betreffenden Netzwerk-Adern abgetrennt und ans Netzteil angeflickt. Und siehe da – der Port am Router blinkt auf einmal wieder, und die Kamera sendet Bilder, als wäre gar nichts gewesen.
Wir bitten, die ausgefallene Woche zu entschuldigen, hoffen natürlich, die Kamera hält die ganze Saison über und freuen uns sehr auf viele bezaubernde Bilder vom Storchennachwuchs etwa Anfang Mail.
Bitte spenden Sie für die Kosten der Kamera, die Instandhaltung des Nestes und Futter für die Störche auf das bekannte Konto des Bürgervereins:
Spendenkonto 5 418 607
bei der Volksbank Freiburg
BLZ 680 900 00
bitte Stichwort »Storch« angeben.
Herzliche Grüße,
N. Schulze







